Da es im deutschsprachigen Raum keine vernünftige Literatur über französische Blankwaffen für den Sammler gibt, möchte ich hier in loser Folge, wie es meine Zeit zulässt nach und nach Säbel, Degen und Pallasche vorstellen. Alle hier vorgestellten Stücke hatte ich in der Hand und konnte so umfangreiche Notizen und Fotos machen. Meine Bewertungen sind Richtpreise und unterliegen erfahrungsgemäß starken Schwankungen. 

Säbel der leichten Kavallerie AN IX und AN XI  ( Chasseursäbel )
Sabre de Cavalerie legere Modelle de I` An IX - Troupe

Der französische Säbel AN XI war eine der erfolgreichsten und besten Blankwaffen des 19. Jahrhunderts. Er wurde auch in Italien hergestellt und als  Beutewaffe  in  Russland  und Preußen  getragen.  Eingeführt wurde er bei den Husaren, Ulanen und den Jägern zu Pferde. Nach Wagner auch  von den Fahrkanonieren, der Gendarmerie und den Trainsoldaten. Das Gegenstück in Europa ist der englische  Säbel  M1796 und der preußische Blücher Säbel M1811. Ist diesen  aber durch  die zwei  Nebenbügel als  zusätzlichen Knöchelschutz überlegen. Auch ist der AN XI ausgewogener  und gefälliger  anzusehen. Bei der Modellbezeichnung bedeutet AN = Armee Nationale und die römische Zahl gibt das Jahr  nach dem  Sieg der bürgerlichen Revolution in Frankreich 1792 an. Der Unterschied zwischen dem AN IX und dem  AN XI liegt in erster Linie bei der Scheide. Der AN IX hatte eine sehr dünne Metallscheide, die sich leicht verbog. Die Materialstärke betrug  0,95 mm. Beim  AN XI lag sie  dann bei  2,5 mm.  Auch soll  die Klinge beim AN IX 36 - 38 mm im Ansatz breit sein und beim AN XI 35 mm. Dazu kommen auch die  etwas stärkeren Gefäßbügel beim AN IX. Eine gute Orientierung ist die Klingenbezeichnung, soweit man sie noch lesen kann. Vor 1802 steht nur der Name der Manufaktur Klingenthal  und der Händler darauf. Bis 1805 stand vor Klingenthal Nationale, bis 1814 dann Imperiale und nach 1814 Royale. Ab 1807 steht das Herstellungsdatum auf der  Klinge.  Die  Klingen wurden  in  Klingenthal  hergestellt  und  teilweise in  Versailles (Hauptbügel eingeschlagen) montiert. Die noch heute existierenden Säbel AN IX stecken in Scheiden von AN XI. Ein AN IX ist extrem selten. Es gibt gute Replica von diesem Säbeln, die zum Schaden von Sammlern auf alt getrimmt werden. Bei  Stücken  mit der Jahreszahl Oktober 1811 ist genaue Kontrolle  angebracht. Auch  kommen Säbel mit kyrillischer (russischer) Klingengravur auch aus Indien. Die Gravur ist geätzt und die Punzen sind scharfkantig.

Literatur
Michel Petard - Des Sabres et des Epees Band1 Seite174 Nr.168 (AN IX ) Seite176 Nr.171 (AN XI)
Jean Lhoste - Les Sabres  Seite 302 Nr. 546 ( AN IX )  Seite 305 Nr. 550 ( AN XI )
Griffwaffen aus dem Bestand des Armeemuseums der DDR Brosch. Seite 47 
Europäische Hieb- und Stichwaffen Seite 336 Nr. 485
Eduard Wagner - Hieb- und Stichwaffen  Seite 311 Tafel 11
Gerd Maier - Preußische Blankwaffen  Teil II  Seite 244

Preise in guter und originaler Erhaltung zwischen 1150,00 € und 1350,00 €
   

     


Säbel der leichten Kavallerie M 1816
Sabre de Cavalerie legere Modelle 1816 - troupe

Der Säbel AN XI hatte mit seiner wesentlich stärkeren Scheide gegenüber den AN IX natürlich auch stark an Gewicht zugelegt. Scheinbar ist darüber in der Truppe  gemeckert wurden und so wurde 1816 ein neuer Säbel eingeführt. Auch da wurde  nicht nur  der Säbel gewechselt, sondern  gleich  Verbesserungen und Gewichtsreduzierung  miteinander  verbunden. Von  2990  Gramm  beim  AN XI auf  2080 Gramm  beim M 1816. Auf die Oliven und dem Mitteleisen wurde gänzlich verzichtet, dafür  zierte wieder ein verrödelter Messingdraht den Griff. Weitere Änderungen sind  die halbe Griffkappe und ein richtiges breites  Stichblatt. Die Klingenbreite wurde von 35 mm auf 30 mm reduziert  und die Pfeilhöhe von 4,5 cm auf 2,5 cm verringert. Übernommen wurde der Säbel von den Jägern zu Pferd  und den  Fahrkanonieren. Die  Husaren und Ulanen konnten ihren AN XI behalten.

Literatur
Christian Aries - Cahier IV ( Heft 2/67 )
Michael Petard - Des Sabres et des Epees Band II Seite 84  Nr. 241
Jean Lhoste - Les Sabres  Seite 400  Nr. 430

Preise in guter und originaler Erhaltung zwischen 700,00 € und 800,00 €

     


Säbel der leichten Kavallerie M 1822
Sabre de Cavalerie legere modele 1822 - troupe

Scheinbar war man mit dem Säbel der leichten Kavallerie Modell 1816 nicht sehr zufrieden, so das bereits 1822 ein neuer Säbel eingeführt wurde. Seit  Januar 1822 wurde durch einen Artillerieausschuss beschlossen, dass die ganze Kavallerie mit diesen neuen Säbel ausgerüstet wird. Die Ziel- setzung  bestand darin einen Säbel einzuführen der die Anzahl der Modelle im Dienst reduziert, zu allen Pferdekörpern passt und billig in der Her- stellung ist. Das Gewicht hat sich zum Modell 1816 nicht viel geändert, es liegt bei 2,050 kg. Das Stichblatt ist gleich groß, nur auf dem auslaufen- den  Endknopf wurde verzichtet. Der entscheidende  Unterschied liegt in den Klingen. Die Steckrückenklinge vom Modell 1816 wurde beim Modell 1822   zur Montmorency Klinge. Eine gekrümmte Säbelrückenklinge mit beidseitiger Hohlkehle und schmalen Rückenzug, so genannt nach den fran- zösischen Offizier Montmorency. Auch dieser Säbel wurde ein Erfolgsmodell obwohl es viele negative Stellungnahmen der Benutzer gab. Nach Lhoste gibt es beschriftete Klingen bis Januar 1904. Diese Waffe trugen die Dragoner, Lanciers der kaiserlichen Garde, die Husaren und die Jäger zu Pferd. Mit der Zeit gibt es zahlreiche   kleine Anpassungen und Änderungen. So 1840, 1850, 1883 und 1884.

Literatur
Eduard Wagner - Hieb und Stichwaffen Seite 321
Müller / Kölling - Europäische Hieb und Stichwaffen Seite 336
Michael Petard - Des Sabres et des Epees Band II Seite 94, 96, 125 und 126

Preise in guter und origineller Erhaltung zwischen 400,00 € und 450,00 €

     


Säbel der Linienkavallerie M 1822
Sabre de Cavalerie de ligne modele de 1822 - troupe

Die Säbel der leichten und schweren Kavallerie wurden zur selben Zeit eingeführt. Der Unterschied liegt in der Größe des Säbels. Das Gefäß
hat einen dritten Nebenbügel. Die Klinge ist 5 cm - 6 cm länger und der Pfeil hat nur 2,3 cm gegenüber 3,9 cm der leichten Kavallerie.

Literatur
Müller/Kölling - Europäische Hieb und Stichwaffen Seite 416
Michael Petard - Des Sabres et des Epees Band II Seite 94

Preise in guter und origineller Erhaltung zwischen 550,00€ und 600,00€

     


Säbel der berittenen Artillerie ( Fahrkanonier ) M 1829
Sabre d` Artillerie a cheval modele de 1829 - troupe

Auch die Nachfolger von Napoleon wollten oder mussten natürlich aus den unterschiedlichen Gründen Krieg führen. Aus den vielen Kriegen Anfang des 19. Jahrhundert kam man zu der Erkenntnis, dass dazu eine hoch mobile Artillerie notwendig ist. Bis 1829 trugen die Artilleristen den  M 1816 der Kavallerie. Für die Artillerie war der aber unbequem und unhandlich. So wurde diese leichtere und im Griff flache Waffe 1830 eingeführt. Das Griffleder ist vom Kalb und wurde geschwärzt. Darüber war eine doppelt verdrillte Messingdrahtwicklung. Die Messingdrahtwicklung besteht aus einem filigranen Draht der um eine dünne Schnur gewickelt ist. Gebogene Klinge von 81 cm Länge. Die größte Breite ist 3,3 cm und der Pfeil beträgt 5,9 cm. Scheide bis 1852 ohne Mundstück, nur mit einer angenieteten Feder. 

Literatur
Jean Lhoste - Les Sabres Seite 250
Michel Petard - Des Sabres et des Epees Seite 96
Eduard Wagner - Hieb- und Stichwaffen Seite 319

Preise in guter und origineller Erhaltung zwischen 450,00€ und 500,00€

     


Artillerie Offizier Säbel M 1822 mod. 1899
Sabres d´ 0fficier d´ Artillerie - modele de 1822 transforme 1899

1896 übernahmen, aus welchem Grund auch immer, die Artillerieoffiziere den Offizierssäbel der Kavallerie Modell 1822 mod. 1883.  Der militärische Hintergrund ist mir leider nicht bekannt. Der Säbel wurde in drei verschiedene Größen 85 cm, 90 cm und 95 cm hergestellt. Das sollte man aber nicht zu eng sehen. Zwischengrößen sind keine Fälschungen. Der Säbel hat einen Haupt- und drei Nebenbügel die nicht so massig wie beim Kavalleriesäbel sind. Getragen wurde dieser Säbel auch von den officiers du Train des equipages ( Zugführer ),  conducteurs du Genie            ( Techniker bei der Artillerie ),  Gendarmerie und Garde Republicaine.

Preise in guter und origineller Erhaltung zwischen 450,00€ und 500,00€

       


Säbel für Offiziere der Elitegendarmerie der kaiserlichen  Garde
Sabre de Officier de la Gendarmerie de Elite a Cheval

Der Griff typisch "garde de bataille" muschelförmig mit aufgesetzter explodierender Granate. Wurde auch getragen von Offizieren der schweren Kavallerie. Griffhülse mit Leder bezogen und Messingdraht umwickelt. Gebläute Klinge mit der Inschrift Gardien, marchand  fourbisseur, au grand vainqueur rue S Honore n° 229 en face le Palais Royal a Paris. Ohne Granate auf dem Korb, dann handelt es sich um einen Offizier der regulären Gendarmerie. Herrliche sehr seltene Typenwaffe des 1. Kaiserreich. Über den Preis kann ich keine Aussagen machen da so ein Stück nicht auf dem deutschen Markt ist. 

Literaturnachweis
Christian Blondieau - Sabres Francais 1680 - 1814

     

 

Säbel für Marinesoldaten der kaiserlichen Garde 1. Modell 1804
Les sabres des Marins de la Garde Imperiale modele 1804

Dieser Gardesäbel wurde am 17.09.1803  in die Marinetruppe per mufti eingeführt. Ein sehr schöner und seltener Typen - Säbel. Lederumwickelte Griffhülse mit Messingdraht umwickelt. Großer Anker auf Mitteleisen. Lederscheide mit drei Messingbeschläge. Ankerprägung auf der Lederscheide. Klinge mit breiter Hohlkehle und großer Inschrift Garde Imperiale. Bei der Seeschlacht gegen England ( Nelson ) sind viele Gardematrosen umgekommen. Danach spielten die Gardematrosen keine größere Rolle mehr, hatten nur noch Ehrendienste und wurden teilweise aufgelöst. 

Literaturnachweis 
Jean Lhoste - Les Sabres 

     



Sappeur - Äxte
Hache de Sapeur

Wer französische Blankwaffen des ersten Kaiserreiches sammelt, kommt an den Äxten der Sapeure nicht vorbei. Die französischen Pioniere des Premier Empire hatten nicht nur diese Axt, sondern trugen ja auch bekanntlich die interessantesten Säbel der damaligen Zeit. Mit der Axt konnte man nicht nur Faschinen, Schanzen und Brücken bauen, sondern auch richtig totschlagen. So ein Stück mit stabilem und langem Hartholzgriff wog so satte 3 - 4 kg. Es ist schon enorm, was die Jungs durch ganz Europa geschleppt haben. Es gibt drei verschieden Modelle. Erstes Kaiserreich, Kaiserliche Garde und das Konsulat.  Die wichtigsten zwei Typen möchte ich hier abbilden. 

Literaturnachweis
Aries - Heft XXII 1975

       

 

Grenadier zu Pferd der kaiserlichen Garde M 1810
Grenadier á cheval de la Garde Impériale  de 1810


Eine wunderschöne Typenwaffe aus der ersten Kaiserzeit, die kaum noch im unberührten und guten Zustand zu bekommen ist, bzw. gar nicht mehr auf dem Markt ist. Messinggefäß mit platzender Granate. Leicht geschwungene Rückenklinge mit Hohlkehle, liegt wunderbar ausgewogen in der Hand. Messingscheide mit Lederdurchbruch. Es gibt von dem Säbel drei Typen. Typ 1 ist der I` An IX ( 1801 - 1802 ) mit einer Lederscheide, die drei Messingbeschläge hat. Typ 2 ist der I` An XI ( 1802 - 1803 ) mit einer Messingscheide und drei Lederdurchbrüchen. Typ 3 ist der hier abgebildete Säbel. Die Messingscheide hat nur zwei Lederdurchbrüche. Die Nachfrage bestimmt den Preis und da es keine Nachfrage gibt, gibt es auch kein Preis.

Literaturnachweis
Jean Lhoste - Les Sabres  Seite 394 

       

 

Hoher Marine Offizier Säbel 1. Kaiserreich

 

     

 

Säbel für Jäger Offizier 1. Kaiserreich

 

      

 

 


 

Letzte Bearbeitung 26.12.2004